Pure Sünde!Wahrscheinlich waren wir Banausen – als wir uns bei der Ankunft in Aquileia  zunächst nur für delikate Krapfen in einer vorzüglichen Pasticceria neben dem Parkplatz interessierten, anstatt uns über sehr historischen Boden demütig/ehrfürchtig und ohne Umschweife der Basilica di Santa Maria Assunta (Aquileia) zu nähern.

Doch genauso wenig wie wir den irdischen Gelüsten widerstehen konnten, so stellten wir uns vor -als wir herzhaft in die zarte Mehlspeise bissen – könnte es auch jenen Pilgern und Händlern mit ähnlichen Versuchungen ergangen sein, die bereits ab dem 4. Jhdt. n. Chr. in dieses antike Zentrum der Kultur, des Christentums und des Handels kamen.

Jetzt liegt Aquileia nicht -wie üblicherweise angenommen, wegen dem Erdbeben- in der italienischen Marche (nämliche Stadt dort heißt nämlich L´Aquila), sondern in friaulisch-julisch Venetien.

Oder – ja, dort bei Grado. Also an der italienischen Adria-Spitze. Am Natissa Fluss.

Die besondere Lage und die Bedeutung von Aquileia offenbart sich erst beim zweiten Blick:

Blick durch die Marktstrasse auf die BasilikaDie Stadt war  Knotenpunkt antiker Handelsstraßen.

Auf der einen Seite gab es die römische Via Annia, die Aquileia von Westen nach Osten querte. Auf der anderen Seite, aus Richtung Nord-Süd, traf hier die Bernsteinstraße ein. Diese internationale Fernstraße verlief von der Ostseeküste quer durch den europäischen Kontinent (mit Verästelungen nach Frankreich) durchzog das österreichische Marchfeld, und endete schließlich in Aquilea.

Man sieht also, an Aquilea führte kein Weg vorbei. Anders als heutzutage meer-suchende Österreicher/Deutsche durch Aquileia in Richtung Grado brausen, war das Aquileia früherer Epochen für Reisende aus dem Norden (Provinz Noricum) die erste bedeutende Stadt jenseits der Julischen Alpen.

Wichtige Rohstoffe, wie Eisenerz und Bernstein, gelangten von dort in die Stadt. Die Eisenverhüttung, Glasindustrie, Amphorenproduktion gedeihten und  -wie könnte es auch anders sein, wegen der Nähe zu Fluss und Meer – Schiffsbau und die Herstellung von Schiffszubehör blühten. Eine Erfolgsstory durch und durch also.

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